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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Starke Nachfrage für expressionistische Druckgrafik in der Sonderversteigerung der Sammlung Buchheim bei Neumeister

Wenn im Schützengraben Kunst entsteht



Mit aufgerissenen Augen blickt Max Beckmann den Betrachter frontal an. 1921 hat der Expressionist mit klaren, sicher gesetzten Linien in der Kaltnadelradierung „Selbstbildnis mit steifem Hut“ eine seiner vielen Selbstbefragungen geschaffen. Der kräftige Abzug war eine von 230 Losnummern, die der Versteigerer Neumeister aus dem Privatnachlass von Lothar-Günther Buchheim und seiner im vergangenen Jahr verstorbenen Frau Diethild in einer Sonderauktion anbot. Die spendable Gesinnung am Austragungsort im Bernrieder Buchheim Museum hielt zuverlässig an und bescherte dem Münchner Auktionshaus schließlich einen Rekorderfolg, denn über 96 Prozent der druckgrafischen Werke fanden einen neuen Besitzer. Über das Nettoergebnis von rund 670.000 Euro freut sich auch das Buchheim Museum, das damit Ankäufe expressionistischer Werke tätigen will. Beckmanns Probedruck trug dazu 65.000 Euro bei.


Höhepunkt am Nachmittag des 28. November war die Bieterrunde um Otto Dix’ 50teiliges Radierwerk „Der Krieg“ von 1924. Mit dem Zyklus in fünf Mappen verarbeitete der Student und Meisterschüler der Dresdner und Düsseldorfer Kunstakademien die Erlebnisse als Soldat an der Ost- und Westfront des Ersten Weltkriegs. Erschütternde Abhandlungen, wie ein „Soldatengrab zwischen den Linien“, ein „Pferdekadaver“ oder mehrere aufgereihte „Gastote“, die teils unmittelbar im Schützengraben entstanden und später als Vorzeichnungen für die Druckwerke dienten, schildern schonungslos und in dramatischer Härte die übermächtige Dimension des sinnlosen Massensterbens im Krieg. Die in 70 Exemplaren erschienenen Mappen wurden vom Publikum als aufrüttelndes Zeugnis einer kollektiven Katastrophe mit einem Preis von 160.000 Euro und dem Titel des Auktionssiegers hoch gewürdigt (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Einzelblätter aus dem „Krieg“ erreichten bis zu 3.600 Euro für den „Verwundeten“ mit grausig aufgerissenen Augen und Mund (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR).

Nicht ganz unerwartet kam der Erfolg für den Verkauf der von Lothar-Günther Buchheim zusammengetragenen Druckzeugnissen. Denn der 1918 in Weimar geborene kämpferische Kriegsveteran, Maler, Fotograf, Romanautor und Verleger zeigte ein großes Interesse am Kunstgeschehen seiner Zeit und begann, sich neben seiner eigenen aktiven Tätigkeit als Künstler eine eigene Sammlung zuzulegen. In den 1950er Jahren erwarb er erstmals in einer Stuttgarter Galerie grafische Blätter von Brücke-Künstlern sowie Mitgliedern des Blauen Reiters, die den Beginn einer bald stattlichen und qualitativ hochwertigen Sammlung markieren. Von den vielen Dubletten, die nicht im Museumsbesitz verblieben, trennte man sich nun in Bernried und hatte die Schätzungen nicht allzu hoch angesetzt.

Beckmann und Dix waren zwei der Hausgötter Lothar-Günther Buchheims. So konnte etwa ein zweites Selbstportrait von Max Beckmann, sein mit Zigarre und Wein ausgestattetes „Selbst im Hotel“ von 1922 die gewünschte Aufmerksamkeit zur oberen Schätzgrenze von 25.000 Euro behände bestätigen. Abermals aus der Folge „Berliner Reise“ stammten „Die Bettler“ in verzerrten Größenverhältnissen für 4.600 Euro (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR) und das gleichfalls karikiert dargestellte Großbürgertum im „Theaterfoyer“ für 3.600 Euro (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Seine Kaltnadelradierung von zwei in sich gekehrten, ermüdeten Passagiere „In der Trambahn“ neben einem Mann mit verbundenem Kopf brachte es auf solide 3.500 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR), während die profilsichtige Dame bei der „Toilette“, ein markant grobliniger Holzschnitt aus dem Jahr 1923, sich zu einem Wert von 7.500 Euro darbot (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Otto Dix bescherte den Auktionatoren gleich mehrere gute Momente. Seine schonungslose Darstellungsweise in dem Zyklus „Tod und Auferstehung“ von 1922 rief einige Interessenten auf den Plan. Besonders ehrgeizig schaukelte sich ein Bietergefecht um den brutal verstörenden „Lustmord“, der eine Frauenleiche nach einer kaltblütigen Vergewaltigung zeigt, zu einem Ergebnis von 12.000 Euro hinauf (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR), für seine mit Leichen errichtete „Barrikade“ gab es 7.200 Euro (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Die Lithografie einer geheimnisvollen „Dame mit Reiher“ von 1923 erzielte 3.700 Euro (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR), und auch für den „Balanceakt“, Blatt 4 der zehn Radierungen umfassenden Folge „Zirkus“ von 1922, wurde mit 5.700 Euro mehr als das Doppelte der Erwartung erzielt. Erich Heckel hielt mit mehreren seiner Blätter Einzug in die Buchheimsche Sammlung, von denen zum Beispiel seine aus starken Linien und Flächen geschaffene Ansicht von „Stralsund“ aus dem Jahr 1912 für 3.600 Euro einen neuen Besitzer fand (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR), während der auf einem Stuhl sitzenden „Irre“ 1.400 Euro einstrich (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR).

Otto Muellers künstlerische Aufmerksamkeit kreiste vorrangig um den Menschen und die Natur. In der Versteigerung traten gleich zweimal seine „Drei Mädchen im Profil“ von 1921 auf, eines von 150 unsignierten Exemplaren korrigierte seinen Schätzwert von höchstens 2.500 Euro leicht zu 2.700 Euro, während ein separater Abzug in größerem Blattformat und leicht verwischter Signatur schließlich für 7.500 Euro zugeschlagen wurde (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Muellers Lithografie „Sitzende in Strümpfen“ um 1924 brachte es dann auf einträgliche 4.700 Euro (Taxe 1.000 bis 1.200 EUR). Ebenfalls zu den Mitgliedern der „Brücke“ gehörte der 1884 in Chemnitz geborene Karl Schmidt-Rottluff. Mit seiner Übersiedlung nach Berlin im Jahr 1911 etablierte der studierte Architekt zunehmend eine reduzierte und geometrisierte Formensprache, von der auch die nun für 11.500 Euro veräußerte personifizierte „Melancholie“ zeugt. Die Gesichtszüge der Frau, die ihre Augen schwermütig vom Betrachter abwendet, entstanden mit kräftigen Linien und Balken (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Als versierter Kenner des Kunstmarkts der 1950er und 1960er Jahre reicherte Buchheim seine Sammlung auch mit Druckgrafiken anerkannter französischer Kunstschaffender an. Eine bedeutende Arbeit aus dem Œuvre Marc Chagalls ist das 105teilge Mappenwerk „Bible“ von 1957. Die märchenhaften Bildwelten des russischstämmigen Meisters, die bis auf zwei Blätter alle in Bernried vorlagen, wurden mit einem Zuschlag von 14.000 Euro belohnt (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Seine satt gelbe, alttestamentlich-jüdische Farblithografie „La Tribu de Lévi“ von 1961 konnte bei 8.000 Euro ebenfalls punkten (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR), und auch seine träumerische farbige Pärchenliebelei „Bonjour sur Paris“ korrigierte ihren Schätzwert von 6.000 bis 8.000 Euro auf 12.000 Euro hinauf. Chagalls Künstlerfreund Fernand Léger zog mit seiner in bunten Flächen und schwarzen Linien gestalteten Farblithografie „Les Femmes au Perroquet“ von 1952 ins Auktionsgeschehen und nahm damit guten Kurs auf 15.000 Euro (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Von Henri Matisse stammt das von wenigen Linien lebende „Portrait de Claude D.“ aus dem Jahr 1946, das für 3.800 Euro in neue Hände kam (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR).

Als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg gestaltete Georges Rouault zwischen 1917 und 1927 seine 58teilige Radierfolge „Miserere“, die des Künstlers Beziehung zur Religion behandelt. Runde Formen, starke Licht-Schatten-Effekte, eine weiche, vergeistigte Bildsprache und die eindrückliche Thematik des menschlichen Leidens sorgten bei 31 Blättern für ein gutes Ergebnis von 5.000 Euro (Taxe 2.000 bis 4.000 EUR). Pablo Picasso fehlte in der Sammlung Buchheims ebenfalls nicht, auch wenn er nicht mit seinen Hauptblättern vertreten war. Seine comichaft angelegte Auseinandersetzung mit dem Spanischen Bürgerkrieg „Sueño y mentira de Franco (Planche II)“ von 1937 aus einer mehrteiligen Buchillustration mutet trotz Aquatinta-Technik wie eine flinke Zeichnung an und schlug in München nun mit 3.300 Euro zu Buche (2.000 bis 3.000 EUR). Noch überlegener mit einem Preis von 9.600 Euro verließ sein Plakat „Vallauris 1960 Exposition“ mit großäugiger Eule das Auktionsgeschehen (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Gar 19.000 Euro gab es für die Farblithografie „Buste de Femme au Chapeau bleu (Dora Maar)“, die der Drucker Fernand Mourlot 1955 nach einem elf Jahre älteren Gemälde Picassos fertigte (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), und die zwei Blätter der Farboffsetlithographie „Maternité“ nach einer originalen Zeichnung von 1963 konnten ihren moderaten Schätzpreis auf 4.200 Euro verzehnfachen.

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne Aufgeld.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



05.01.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Claudia Rauth

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28.11.2015, Expressionistische Druckgraphik aus dem Privat-Nachlass Diethild und Lothar-Günther Buchheim

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Von Tod und Auferstehung

Kunstwerk:

Otto Mueller, Sitzende in Strümpfen
 (Sitzender Akt mit aufgestütztem Arm), um 1924
Otto Mueller, Sitzende in Strümpfen (Sitzender Akt mit aufgestütztem Arm), um 1924

Kunstwerk:

Otto Mueller, Drei Mädchen im Profil (Drei Mädchenköpfe), 1921
Otto Mueller, Drei Mädchen im Profil (Drei Mädchenköpfe), 1921







Otto Mueller,  Sitzende in Strümpfen (Sitzender Akt mit aufgestütztem Arm), um 1924

Otto Mueller, Sitzende in Strümpfen (Sitzender Akt mit aufgestütztem Arm), um 1924

Taxe: 1.000 - 1.200 EURO

Zuschlag: 4.700,- EURO

Losnummer: 102

Otto Mueller,  Drei Mädchen im Profil (Drei Mädchenköpfe), 1921

Otto Mueller, Drei Mädchen im Profil (Drei Mädchenköpfe), 1921

Taxe: 5.000 - 7.000 EURO

Zuschlag: 7.500,- EURO

Losnummer: 99




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