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Sachsen feiert den 450. Geburtstag seines pompösen Renaissanceschlosses Augustusburg

Kraftstrotzendes Jagdquartier im Regelmaß



Schloss Augustusburg auf dem Schellenberg bei Chemnitz

Schloss Augustusburg auf dem Schellenberg bei Chemnitz

Schon von weitem sichtbar beherrscht Schloss Augustusburg die sanfte Hügellandschaft des Erzgebirges östlich von Chemnitz. Nach dem Abriss der mittelalterlichen Schellenburg ließ Kurfürst August von Sachsen hier in 516 Metern Höhe eine gewaltige Schlossanlage errichten, die vornehmlich den Sieg der albertinischen Linie der Wettiner und die Behauptung der Kurwürde machtvoll demonstrierten sollte. Nach vier Jahren Arbeit wurde der vornehmlich als Jagddomizil genutzte Bau im Jahr 1572 vollendet. Heute gilt er als eines der repräsentativsten Renaissanceschlösser Europas. Umfassend restauriert, gilt es nun, die weitläufigen Räumlichkeiten einer adäquaten Nutzung zuzuführen. Anlässlich des 450jährigen Jubiläums rückt eine Ausstellung das Leben und Wirken des Bauherrn in den Fokus.


Nach den Vorgaben des Kurfürsten entwickelte der hauptsächlich durch die Errichtung des alten Leipziger Rathauses bekannte Baumeister Hieronymus Lotter, geboren um 1497 in Nürnberg und 1580 im erzgebirgischen Geyer verstorben, das Konzept einer Ordnung und Regelmaß verkörpernden Idealanlage auf quadratischem Grundriss. Vier wuchtige quadratische Eckbauten mit steilen Dächern brachten dem Objekt den Ruf als „Krone des Erzgebirges“ ein. Dazwischen fügen sich Verbindungsbauten von geringerer Höhe und Tiefe. So verschmilzt der Kern um einen Innenhof in der Form eines griechischen Kreuzes zu einem kompakten Ganzen. Ausgewogen und regelmäßig angeordnete Fenster mit für die Renaissance charakteristischen Profilen beleben die recht schmucklosen Fassaden. Durch ein Torhaus gelangt man über eine Brücke zum triumphbogenartig errichteten Nordtor, das mit rustizierten Bögen und Pilastern verziert ist. Die Mittelachse vervollständigt das weniger aufwendig gestaltete Südportal, durch zum tiefer gelegenen dreiflügeligen Wirtschaftshof mit Brunnenhaus ausgerichtet ist.

Auch im Innern herrschte bescheidene Zweckmäßigkeit vor. Jedes Geschoss besaß mittig einen längsrechteckigen, zum Innenhof vorstoßenden Saal, um den sich die aus Stube und Schlafkammer gebildeten Appartements gruppierten. Dominierende Ausstattungsstücke waren auf geschnitzten Tierköpfen oder Schilden befestigte Geweihe und Gehörne; 1576 wurden im Schloss über 2000 jener Trophäen gezählt. Die malerische Ausgestaltung übernahm mit Heinrich Göding d.Ä. (1531-1606), ein Schüler Lucas Cranachs d.J. Neben Kaminen, Fenster- und Türumrahmungen gestaltete er auch Tische und Bänke in der Tradition sächsischer Renaissancemalerei. Im nordöstlich gelegenen Lindenhaus befanden sich neben den erdgeschossigen Wohnräumen des Kurfürstenpaares die Zimmer seiner Kinder, worauf Kinderdarstellungen in der „Gämsenstube“ oder närrische Vorführungen von Affen in der „Affenstube“ zeugen. Der Kaisersaal für offizielle Empfänge beherrschte ehemals das zweite Obergeschoss.

Über eine Außengalerie konnten alle anderen Eckhäuser erreicht werden, so das als Gästequartier dienende Sommerhaus im Nordwesten mit dem Tanzsaal und das gleichen Zwecken vorbehaltene Hasenhaus mit dem Venussaal im Südwesten, ergänzt vom Küchenhaus mit großem Speisesaal für Gäste und Gefolge. Von den noch nicht vollständig freigelegten und restaurierten Wandmalereien befinden sich die schmucksten im Hasenhaus. Im Rahmen einer „verkehrten Welt“ nehmen in erzählenden Szenen Tiere die Stellung der Menschen ein, der nun dienen muss. Den Venussaal im zweiten Obergeschoss versah Göding neben einem Selbstporträt mit Felsen und Schluchten auf Grundlage der Sage vom Venusberg.

Aus der Außenflucht leicht vorspringend, hat Hieronymus Lotter den östlichen Verbindungsbau mit der Schlosskirche konzipiert. Deren Gestalt basiert auf Plänen von Lotters Kollegen, des gebürtigen Niederländers Erhard van der Meer, der damit einen der ersten protestantischen Kirchenneubauten überhaupt geschaffen hat. Eine eingestellte zweigeschossige Arkadenzone kaschiert einerseits die unregelmäßige Fensteranordnung, folgt aber zugleich der Tradition protestantischer Kirchen nach dem Vorbild der „Erstlösung“ auf Schloss Hartenfels in Torgau. Die vom Beschlagwerk inspirierte kräftige Kassettierung des Tonnengewölbes geht auf niederländische Vorbilder zurück. Besonders hervorzuheben ist das großformatige Altargemälde von Lucas Cranach d.J. Vor dem gekreuzigten Christus in der oberen Hälfte verewigte der Maler Kurfürst August (1526-1586) und seine Frau Anna. Zwischen beiden stehen alle bis zur Vollendung des Gemäldes geborenen 14 Kinder, wobei die bereits neun verstorbenen ein Kreuz tragen.

Gegenstück zum Kirchentrakt bildet eine offene Arkadenzone, über der der lang gestreckte Fürstensaal die Ahnengalerie aufnahm. Lohnend ist ein Blick in das Brunnenhaus. Fast zehn Jahre benötigte man für das Ausheben des 130 Meter tiefen Brunnenschachts. Der imposante Förderungsmechanismus des Treibegöpels in der Form eines über ein Kammrad angetriebenen Stockgetriebes auf einer Welle mit den Förderseilen stellt eine technische Meisterleistung dar.

Nach den Übergang in Staatsbesitz im Jahr 1831 diente das Schloss unter anderem als Verwaltungssitz, beherbergte Wohnungen und ab 1933 eine Gauführerschule. Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte sich rasch ein Heimat- und Jagdmuseum; 1961 kamen ein Motorradmuseum sowie im Wirtschaftstrakt ein Kutschenmuseum hinzu. Heute stellt sich die Aufgabe, ein Entwicklungskonzept für die vielen noch zu renovierenden und ungenutzten Bereiche zu erarbeiten.

In den vorzüglich restaurierten Sälen des Sommerhauses beleuchtet aktuell eine Sonderschau in 13 Themenräumen den historischen Hintergrund des Schlosses in Bezug auf die Bauherrschaft, Entstehungsgeschichte, Funktion und Ausstrahlung. Nach Illustration der Reibereien zwischen den Brüdern Ernst und Albrecht um die Kurfürstenwürde, der Rolle der Reformation im Machtgefüge der Fürsten, der Geschichte des Schlosses und seiner Ausstattung, Ordnung und Trachten des Hofstaates sowie baulicher Anleihen an bedeutende Schlösser wie Chambord an der Loire, den El Escorial oder Château d’Ancy-le-Franc im Burgund gestattet eine 360 Grad-Projektion das Eintauchen in die Welt des 16. Jahrhunderts mit Jagdszenen, Festmahlen und fürstlichem Ambiente. Am Ende der Ausstellung steht man vor einer weitblickenden Mahnung von Kurfürst August, die bis heute Gültigkeit besitzt: „Man muss die Ämter mit Leuten und nicht die Leute mit Ämtern versehen.“

Die Ausstellung „Kurfürst mit Weitblick – Das Leben und Wirken von Landesvater August von Sachsen“ ist bis zum 8. Januar 2023 zu sehen. Schloss Augustusburg hat täglich von 10 bis 18 Uhr, ab November bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Zur Ausstellung ist ein Begleitheft erschienen.

Kontakt:

Schloss Augustusburg

Schloss 1

DE-09573 Augustusburg

Telefon:+49 (037291) 3800



24.08.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Klippe mit Bildnis von Kurfürst August, 1557
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Replik des Festgewands von Kurfürst August
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Replik eines Kleids der Kurfürstin Anna
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Schloss Augustusburg auf dem Schellenberg bei Chemnitz
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in der Ausstellung „Kurfürst mit Weitblick – Das Leben und
 Wirken von Landesvater August von Sachsen“
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in der Ausstellung „Kurfürst mit Weitblick – Das Leben und
 Wirken von Landesvater August von Sachsen“
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Blick auf die südliche Durchfahrt zum Wirtschaftshof

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in der Affenstube

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Schloss Augustusburg

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in der Ausstellung „Kurfürst mit Weitblick – Das Leben und Wirken von Landesvater August von Sachsen“

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Altar in der Schlosskirche mit Altarbild von Lucas Cranach d.J.

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Das Brunnenhaus

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Blick auf die Arkaden samt Ahnengalerie im Obergeschoss vom Innenhof aus

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Replik des Festgewands von Kurfürst August

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im Hasensaal

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in der Ausstellung „Kurfürst mit Weitblick – Das Leben und Wirken von Landesvater August von Sachsen“

in der Ausstellung „Kurfürst mit Weitblick – Das Leben und Wirken von Landesvater August von Sachsen“

in der Ausstellung „Kurfürst mit Weitblick – Das Leben und Wirken von Landesvater August von Sachsen“

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Schloss Augustusburg thront auf dem Schellenberg östlich von Chemnitz

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Das Südtor mit dem Herrscherwappen

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