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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Rückblick: Im Spitzensegment des Kunstmarkts sitzt das Geld für Monet, Man Ray, Warhol, Rothko, Richter, Juszkiewicz oder Degas locker. Die Auktionsgiganten generieren Milliardenumsätze innerhalb einer Woche, so auch Christie’s in New York

Marilyns superbes Lächeln



Der High End-Sektor des Kunstmarkts läuft nach der Corona-Pandemie und trotz des Ukraine-Kriegs hervorragend. Das konnte Christie’s von seinen großen Mai-Auktionen in New York bilanzieren und mit einem beträchtlichen Gesamtumsatz von mehr als 1,4 Milliarden US-Dollar aufwarten. Der Grund für diesen beeindrucken Wert waren herausragenden Privatsammlungen und hochwertige Einlieferungen, die in acht Auktionen innerhalb von achten Tagen unter den Hammer kamen, darunter die Anne Hendricks Bass-Collection oder der Nachlass der Schweizer Kunsthändler Thomas und Doris Amman. Kein Wunder, dass Christie’s nach eigenen Angaben insgesamt 50 neue Preisrekorde aufstellen konnte, darunter selbst für solche altgedienten Größen wie Andy Warhol. Seine „Shot Sage Blue Marilyn“ konnte sogar Picasso vom Thron des teuersten Künstlers aus dem 20. Jahrhundert stoßen: Nach einem kurzen Bietgefecht fiel der Hammer schon bei 170 Millionen Dollar, obwohl der übermalte Siebdruck der Hollywood-Diva, der im Entstehungsjahr 1964 in Warhols Factory von einer Pistolenkugel durchlöchert wurde, mindestens 200 Millionen Dollar auf die Beine stellen sollte.


Auktion für einen guten Zweck: Die Werke Ammann-Sammlung

Mit Aufgeld bewilligte der New Yorker Megahändler Larry Gagosian für die „Shot Sage Blue Marilyn“ etwas über 195 Millionen Dollar und stellte damit den Höchstpreis der Auktionsrunde bei Christie’s auf. Die Sammlung der Schweizer Kunsthändlergeschwister Thomas und Doris Ammann spielte mit 34 verkauften von 36 angebotenen Losen insgesamt 317,8 Millionen Dollar ein. Darüber freut sich nun ihre 2021 in Zürich gegründete Stiftung, die sich vor allem in der Humanmedizin und der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen engagiert. In deutlicher pekuniärer Entfernung von Warhol errang Cy Twombly mit einer typischen kritzeligen Zeichnung von 1955, auf der man einige Buchstaben zu erkennen meint, bei 18 Millionen Dollar den zweiten Platz der Zuschlagsliste (Taxe 10 bis 15 Millionen USD). Dahinter folgten Robert Rymans titellose weiße Leinwand um 1961 mit reliefartiger Struktur in der rechten oberen Ecke für taxgerechte 17,25 Millionen Dollar und wiederum Cy Twomblys expressionistische Abstraktion „Venre Sopra Gaeta“ von 1988 für 14,5 Millionen Dollar im oberen Schätzbereich.

Zu den insgesamt sieben Rekorden der Ammann-Sammlung gehörten auch zwei Künstlerinnen: Mary Heilmanns horizontale Farbfelder in einem schwarzen Rastersystem unter dem Titel „The Passenger“ von 1983 sprangen mit 750.000 Dollar auf das Fünffache der Erwartung, Ann Cravens 2003 auf einem Ast gemalte Vögel „I Wasn’t Sorry“ katapultierten sich mit finalen 540.000 Dollar auf den 27fachen Schätzwert. Humorvolle Arbeiten fanden ebenfalls ein dankbares Publikum. So erzielte die an Picasso angelehnte Strandszene mit der deformierten Frauengestalt „Not a Picasso“ von Mike Bidlo einen Preisrekord bei 1 Million Dollar (Taxe 60.000 bis 80.000 USD). Sean Landers’ knallbunte und vom selben Künstler inspirierte „Reclining Nude with Suitors“ aus dem Jahr 2001 erarbeitete sich 95.000 Dollar (Taxe 40.000 bis 60.000 USD). Künstlerrekorde gingen dann noch an Francesco Clemente für sein rätselhaftes Figurenbild „The Fourteen Stations, No. XI“ von 1981/82 bei 1,5 Millionen Dollar (Taxe 80.000 bis 120.000 USD), Ross Bleckner für sein Streifenbild mit kleinem Vogel von 1988 bei 220.000 Dollar (Taxe 50.000 bis 70.000 USD) und Martin Disler für seine zwischen Figuration und gestischer Abstraktion changierende Leinwand „Preparing for Tonight“ aus dem Jahr 1982 bei 140.000 Dollar (Taxe 20.000 bis 30.000 USD).

Ein Resultat der Freundschaft von Andy Warhol mit dem früh verstorbenen Jean-Michel Basquiat war das Gemeinschaftswerk „GE/Skull“: Warhols blaues Emblem des Elektronikherstellers mit diversen Geräten samt dem schwarzen Schädel Basquiats in der Mitte erspielte 3,8 Millionen Dollar (Taxe 2 bis 3 Millionen USD). Anklang fanden zudem Elaine Sturtevants Roy Lichtenstein-Adaption einer weinenden Blondinen im Comic-Stil unter dem Titel „Lichtenstein But It’s Hopeless“ bei 1,8 Millionen Dollar und Urs Fischers mit Wassertropfen übermalte Brünette „Secret“ bei 2,1 Millionen Dollar (Taxe je 600.000 bis 800.000 USD). Martin Kippenberger ironisches Selbstporträt von 1992 aus der Serie der „Hand Painted Pictures“ übersprang die untere Schätzung von 3 Millionen Dollar um 100.000 Dollar. Alberto Giacomettis dekorative, aus weißem Gips geformte „Vase modèle dit aigle“ vom dem Ende seiner surrealistischen Phase um 1934 konnte ihren Preis mit 1,4 Millionen Dollar fast verdreifachen. Zu den beiden nicht übernommenen Arbeiten gehörte Brice Mardens schwarzes Hochrechteck „For Otis (Back Series)“ von 1967/68 für 5 bis 7 Millionen Dollar. Seine Leinwand „Le Mien“ von 1976 mit vier vertikalen Streifen in gedeckten Rot- und Grünentönen gab sich schon mit 7 Millionen Dollar zufrieden (Taxe 8 bis 12 Millionen USD).

Zwölf finanzielle Überflieger: Die Anne H. Bass-Sammlung

Der Sammlung der 2020 verstorbenen Millionärin Anne H. Bass war ein durchschlagender Erfolg beschieden: Alle zwölf Lose gingen weg und generierten brutto über 363 Millionen Dollar, mehr als die obere Gesamtschätzung. Dafür gaben sich aber auch Monet, Degas oder Rothko die Klinke in die Hand. Höhepunkt war Claude Monets koloristisches Juwel mit der stimmungsvollen Abendansicht der Houses of Parliament in London. In dunklen Fliedernuancen, leuchtendem Rot und kühlen Blau fing der Maler um 1900/03 innerhalb seiner bekannten Serie „Vue de Londres“ die Flusslandschaft mit dem markanten Westminsterpalast ein. Monets „Le Parlement, soleil couchant“, eines von insgesamt 19 Bildern dieses Motivs, bezauberte mit seinem schillernden Fluidum zu 66 Millionen Dollar (Taxe 40 bis 60 Millionen USD). Freunde von Monet konnten dann etwas günstiger eines seiner Gemälde aus der berühmten „Nympheas“-Serie in zartem Rosa und Grün von 1907 für 49 Millionen Dollar erwerben (Taxe 35 bis 55 Millionen USD). Ebenfalls taxkonforme 31,5 Millionen Dollar brachten dann Monets in herbstlichem Orange gehaltene „Peupliers au bord de l’Epte, automne“ von 1891 ein.

Ein Rekord bei der Bass-Sammlung galt Edgar Degas’ Skulptur „Petite danseuse de quatoze ans“. Diese posthume Bronzeversion von 1927 mit einem Rock aus Musselin kostete den neuen Besitzer 36 Millionen Dollar (Taxe 20 bis 30 Millionen USD). Die Erwartungen übertraf zudem Degas’ Pastell einer jungen Balletttänzerin, die sich vornübergebeugt ihre Schuhe bindet, mit 7,5 Millionen Dollar (Taxe 4 bis 6 Millionen USD). Auch Balthus war mit zwei Werken vertreten. Seine pastellfarbigen „Les trois sœurs“, die es sich im Wohnzimmer gemütlich gemacht haben, wechselten bei 3,2 Millionen Dollar ihre Besitzer (Taxe 1,5 bis 2,5 Millionen USD). Seine aus dem Fenster des Château de Chassy blickende Frédérique Tison in Grün und Rot verdoppelte als „Jeune fille à la fenêtre“ von 1955 ihren Wert auf 8,5 Millionen Dollar. Vilhelm Hammershøi steuerte ebenfalls eine weibliche Rückenfigur bei und war mit seinem stillen Interieur „Stue“ aus dem Jahr 1900 bei 5,2 Millionen Dollar erfolgreich (Taxe 1,5 bis 2,5 Millionen USD). Aber auch für die Farbfeldmalerei amerikanischen Zuschnitts konnte sich Anne H. Bass begeistern und hatte Mark Rothkos rot gesättigte Leinwände „Untitled (Shades of Red)“ von 1961 und „No. 1“ von 1962 in ihrem Salon hängen, die mit 58 Millionen Dollar und 43 Millionen Dollar jeweils 2 Millionen Dollar unter ihren Erwartungen rangierten. Besser schlugen sich Morris Louis’ violett-braune Farbverläufe „Lower Spectrum“ von 1958 mit 3,2 Millionen Dollar (Taxe 1,5 bis 2,5 Millionen USD).

Surreales als Konstante der Sammlung Jacobs

Die dem Surrealismus verpflichtete Sammlung von Rosalind Gersten Jacobs und Melvin Jacobs wartete am 14. Mai bei Christie’s wiederum mit einem Superlativ auf: Man Rays Inkunabel „Le Violon d’Ingres“ von 1924 darf sich bei einem Zuschlag von 10,5 Millionen Dollar nun mit dem Prädikat „teuerste Fotografie weltweit“ schmücken. Ein Bieter am Telefon verdreifachte damit den bisherigen Spitzenpreis für ein fotografisches Werk, bewilligte mit Aufgeld für den frühen Abzug mit dem weiblichen Rückenakt von Man Rays Geliebter Kiki de Montparnasse samt aufgemalten Schalllöchern einer Geige gut 12,4 Millionen Dollar und sprengte damit den unteren Schätzwert um mehr als das Doppelte. Laut Christie’s hatte das New Yorker Sammlerpaar Jacobs, das enge Kontakte zum Kreis der Surrealisten pflegte, den schwarzweißen Abzug mit den Pinselstrichen aus der Hand des Künstler 1962 direkt bei Man Ray erworben. Sein ebenso humorvoller und provokanter Gesäßakt „La Prière“, ein weiterer Gelatinesilberabzug von 1930, kletterte von 80.000 Dollar auf 230.000 Dollar, sein mit „Original Rayograph 1 print“ beschriftetes Unikat aus den 1920er Jahren platzierte sich taxgerecht bei 240.000 Dollar.

Die meisten der 76 Posten in der Jacobs-Versteigerungen fanden einen Abnehmer: Mit einer Verkaufsrate von 92 Prozent machte sie immer noch eine gute Figur und spülte brutto 42,3 Millionen Dollar in die Kassen von Christie’s. Spitzenreiter hinter dem Man Ray-Rekord war René Magritte. Vier Werke des belgischen Surrealisten besetzten Rang zwei bis fünf der Preisliste. Seine Leinwand „L’autre son de cloche“ von 1951 lädt dazu ein, die Welt aus einer anderen Perspektive zu sehen, indem der Erde als Zwilling ein riesiger grüner Apfel hinzugesellt ist. 8,5 Millionen Dollar waren dafür fällig (Taxe 4 bis 7 Millionen USD). Magrittes Gouache „Eloge de la dialectique“ von 1948 mit einem Haus in einem Haus in mondbeschienener Nacht erreichte die anvisierten 3,8 Millionen Dollar, sein weibliches Einhorn mit wallender Mähne und einem Rundturm anstelle des Horns unter dem Titel „Le cœur du monde“ schlug 1,75 Millionen Dollar los (Taxe 300.000 bis 500.000 USD). Die Bleistiftzeichnung „Le modèle rouge“ von 1948, bei der Magritte die Schuhkappen in menschliche Zehen übergehen lässt, verbesserte sich von 700.000 Dollar auf 1,7 Millionen Dollar.

Die gute Kauflaune beflügelte dann auch Dorothea Tannings pastellfarbige wolkige Figurenlandschaft „Le mal oublié“ von 1955, die ihre Schätzung verdreifachen konnte und auf den neuen Rekordwert von 1,15 Millionen Dollar kletterte. Einen neuen Spitzenpreis verbuchte zudem William Nelson Copley. Seine kurvenreichen nackten „Gingham Girls“ von 1965, die einen Mann mit Hut eng umgarnen, reizten die Sammler bis auf 460.000 Dollar (Taxe 120.000 bis 180.000 USD). Seine gleichfalls sexuell aufgeladene „Capella Sextina“ von 1961 mit ihren ein Bacchanal feiernden Silhouetten nackter Frauenkörper legte vergleichbar von 150.000 Dollar auf 320.000 Dollar zu. Seine Ehefrau Noma Copley bezauberte die Anwesenden mit ihren Schmuckkreationen und durfte sich über etwa über 26.000 Dollar für eine Halskette in Form einer silbernen Krawatte (Taxe 6.000 bis 8.000 USD) oder 25.000 Dollar für zwei Ärmelstulpen aus Silber freuen (Taxe 2.000 bis 3.000 USD). Schmuckstücke steuerten etwa noch Claude Lalanne mit ihrem vergoldeten vegetabilen Collier „Mimosa“ von 1989 für 24.000 Dollar (Taxe 10.000 bis 15.000 USD) oder Man Ray mit den gedrehten Ohrringen „Pendantif-Pendant“ von 1973 für 42.000 Dollar bei (Taxe 20.000 bis 30.000 USD).

In die Welt der flächig-abstrakten Figurengestaltung entführte Victor Brauners „Lumière noire“ von 1964 mit 310.000 Dollar, Salvador Dalís DIN-A4 große Kreidezeichnung von 1935 mit skizzenhaften Überlegungen, darunter einem verschlafenen Radler, brachte 10.000 Dollar mehr ein (Taxe je 100.000 bis 150.000 USD). Das Surreale in der jüngeren Kunst entdeckte das Ehepaar Jacobs etwa in den schlangenartig gewundenen Rohren der drei um 1988 datierten Fotos „Cement Plant“ mit Bernd und Hilla Bechers Ausschnitten von Industriekomplexen bei erschwinglichen 24.000 Dollar (Taxe 30.000 bis 50.000 USD) oder James Caseberes Fotoarbeit „Pink Hallway #2“ von 2001 mit einem rosafarbenen gestrichenen Gang, dessen Boden mit Wasser geflutet ist. Dieser zweite Künstlerabzug aus einer Auflage von sieben Stück ging für 7.000 Dollar weg (Taxe 8.000 bis 12.000 USD). Mit Richard Humphry und seiner von Hieronymus Bosch inspirierten, 1965 gemalten saftig grünen Landschaft „The Cause of Thunder“ gelang noch einem lebenden Surrealisten, eine weitere neue Rekordmarke bei 55.000 Dollar zu setzen (Taxe 1.000 bis 1.500 USD).

Vom Impressionismus bis zu den Klassikern Gegenwart: Kunst des 20. Jahrhunderts

Der Abräumer im „20th Century Evening Sale“ war Ernie Barnes, der noch die 55fache Steigerung Humphrys übertrumpfte. Sein Gemälde „The Sugar Shack“ von 1976, auf dem sich das afroamerikanische Figurenpersonal mit seinen überlängten Gliedmaßen ganz im Rhythmus eines ausgelassenen Tanzes im hölzernen Saal der Durham Armory in North Carolina verliert, hatte unter anderem das Albumcover „I Want You“ des schwarzen Soulsängers Marvin Gaye zur Ikone erhoben. Entsprechend hatten sich allein über zwanzig Telefonbieter bei Christie’s für die Versteigerung des Kultbildes registrieren lassen. Doch mit einem Gebot von 13 Millionen Dollar blieb der im Auktionshaus anwesende Hedgefonds-Manager und Pokerspieler Bill Perkins der Sieger, der damit die untere Schätzgrenze von 150.000 Dollar um das 86fache in die Höhe trieb und Barnes den ersten Millionenwert bescherte.

Die Auktion der Werke des 20. Jahrhunderts umfasste 42 Posten, von denen einzig Georgia O’Keeffes charakteristische Sonnenblume bei 6 bis 8 Millionen Dollar liegenblieb, und kam mit brutto 468 Millionen Dollar auf den höchsten Umsatz der „Marquee Week“. Daran hatte auch ein Kunstwerk aus dem sonst nicht in dieser Auktionsrunde platzierten 19. Jahrhundert einen nicht unbeträchtlichen Anteil: Der Deutschamerikaner Emanuel Leutze tat sich mit einem ebenso legendären Gemälde hervor und thematisierte 1851 mit „Washington Crossing the Delaware“, umgeben von Eismassen, einen Gründungsmythos der USA. Der heroische Historienschinken, an dem in Leutzes Düsseldorfer Atelier auch Eastman Johnson, Worthington Whittredge und drei weitere Maler mitgearbeitet hatten, ist eine der drei bekannten Versionen dieses Themas. Der Zuschlag von 39 Millionen Dollar knackte auch hier den bisherigen Höchstpreis von 4 Millionen Dollar (Taxe 15 bis 20 Millionen USD).

Mit 42 Millionen Dollar stockte das Metropolitan Museum seinen Ankaufsetat auf und trennte sich dafür von Pablo Picassos kubistischer Bronzebüste „Tête de femme (Fernande)“. Auf die berühmte Skulptur müssen die Besucher des New Yorker Museums aber nicht verzichten; das Metropolitan hat noch ein zweites Exemplar der zwanzig bekannten Güsse in seinem Bestand (Taxe rund 30 Millionen USD). Bei Vincent van Goghs Landschaft „Champs près des Alpilles“ gab Christie’s den Schätzpreis ebenfalls nur auf Anfrage bekannt. Im November 1889 mit typisch geschwungener Pinselführung gemalt, führt der Blick über das grüne Feld mit zentralem kargem Baum zu dem bläulichen Berg im Hintergrund. Das Gemälde war ein Geschenk an den Postboten Joseph Roulin, der damals kaum die 45 Millionen Dollar dafür hätte aufbringen können, die es nun – wie veranschlagt – bei Christie’s einfuhr. Mit einem Gebot an der oberen Schätzgrenze von 12 Millionen Dollar bedachte die Kundschaft dann Fernand Légers in Kreis- und Röhrensegmente zergliederte „Deux acrobates“ von 1918 ebenso vorteilhaft.

Die Impressionisten fanden ihren Sachverwalter vor allem in Claude Monets lieblichen Landschaften, die die Erwartungen stets respektierten, etwa mit 12 Millionen Dollar für den sommerlichen „Champ d’avoine et de coquelicots“ von 1890 und 8,5 Millionen Dollar für den abendlich gestimmten Kugelbaum in „L’arbre en boule, Argenteuil“ von 1876. Preislicher Gipfel bei Monet waren die 22 Millionen Dollar für die verschneite Dorfansicht „La mare, effet de neige“ im Sonnenschein von 1874/75. Pierre-Auguste Renoir stach mit seinem 1894 datierten Portrait der grauhaarigen Berthe Morisot und ihrer Tochter Julie Manet heraus, das für 21 Millionen Dollar den Besitzer wechselte (Taxe 10 bis 15 Millionen USD). Zeitnah verewigte um 1893/94 Morisot ihre Tochter Julie mit einer nachdenklichen Miene in einem locker gemalten Konterfei, das mit 2,6 Millionen den Schätzpreis verdoppelte. In einer eigenen Liga spielt Paul Cézanne, der in seinem 1895 entstanden Steinbruch bei Bibémus vor die rotbraunen Felsen mit ein bisschen Grün einen kleinen Arbeiter setzt. „Dans la carrière de Bibémus“ in Cézannes typischen kurzen Pinselzügen, aus denen er seine Flächen aufbaut, erleichterte einen Käufer um 5 Millionen Dollar (Taxe 5 bis 8 Millionen USD).

Das Highlight dieser Versteigerung stellten die Abstrakten Expressionisten: Jackson Pollocks „Number 31“, ein frühes wildes Drip Painting von 1949 in Rot, Grün, Schwarz, Gelb, Grau und Weiß mit einer Erwartung von „mehr als“ 45 Millionen Dollar, hielt sich mit 47 Millionen Dollar an diese Vorgaben. Pollocks Kollegin Grace Hartigan verbuchte mit ihrer dichten Farbabstraktion „Early November“ von 1959 einen neuen Spitzenpreis von 1,1 Millionen Dollar (Taxe 800.000 bis 1.200.000 USD), dem die aktuelle Rekordmarke für Howardena Pindell in Höhe 900.000 Dollar vorausgegangen war. Dafür hatte die Afroamerikanerin ihre minimalistische struktur- und texturbetonte Mischtechnik „Untitled #24“ von 1978/79 zur Verfügung gestellt (Taxe 300.000 bis 500.000 USD). Die Künstlerinnenriege ergänzten etwa noch Joan Mitchell mit ihrem Hochformat einer ungegenständlichen Wachstumsform aus dem späten 1960er Jahren bei 7,5 Millionen Dollar (Taxe 7 bis 10 Millionen USD) oder Ruth Asawa mit ihrem typisch filigranen geflochtenen mehrteiligen Hängegespinst „Untitled (S.469, Hanging Two Complex Interlocking Forms with Symmetrical Interior Forms)“ von circa 1955, das seinen Wert mit 1,6 Millionen Dollar verdoppelte.

Willem de Koonings in eine Art massigen Lehmklumpen übersetzte „Seated Woman“ aus Bronze von 1980 begnügte sich dagegen mit 6,7 Millionen Dollar (Taxe 7 bis 10 Millionen USD). Höher hinaus ging es für seine wilde, helle Farbschlacht „Untitled XXI“ von 1977 mit 21,5 Millionen Dollar (Taxe rund 20 Millionen USD). Auch zwei deutsche Künstler verzeichnete der Katalog, wobei Georg Baselitz mit seiner groben Männergestalt „Spekulatius“ aus der frühen „Helden“-Serie von 1965 mit bei 6,5 Millionen Dollar deutlich unter den mindestens geforderten 8,5 Millionen Dollar blieb. Mehr Erfolg war dann aber Blinky Palermo beschieden, der mit seinem titellosen zweiteiligen Farbfeldgewebe in Schwarz und Orange von 1969 die Kundschaft für sich einnahm und mit 4,65 Millionen Dollar die Messlatte für seine Kunst etwas nach oben verschob (Taxe 4,5 bis 6 Millionen USD).

Newcomer gefragt: Kunst des 21. Jahrhunderts

Da kurz vor Beginn Jean-Michel Basquiats auf über 30 Millionen Dollar geschätztes Triptychon „Portrait of the Artist as a Young Derelict“ zurückgezogen worden war, setzte sich in der ausverkauften Auktion „21th Century Evening Sale“ ein Deutscher an die Spitze. Leuchtende Primärfarben vereinte Gerhard Richter 1994 auf großem Format in seinem „Abstrakten Bild“ mit der Werknummer 809-4. Zuletzt vor zehn Jahren bei Sotheby’s in London als Teil der Sammlung von Eric Clapton für netto 19 Millionen Pfund versteigert, fiel nun der Hammer auf etwas höherem Niveau bei 33 Millionen Dollar. Bei den bereits etablierten Namen der Gegenwartskunst hielt sich die Kauflaune am 10. Mai in New York deutlich zurück: Weder Christopher Wool, noch Yoshitomo Nara oder Jeff Koons reichten an die Wunschwerte heran. Wools titelloses Schriftbild von 1988 mit den Worten „Trojn hors“ verharrte bei 7 Millionen Dollar (Taxe 8 bis 12 Millionen USD), Naras missmutiges und bedrohliches Mädchen „Be happy“ von 1995 mit einem Messer in der Hand bei 5,3 Millionen Dollar (Taxe 5,5 bis 7,5 Millionen USD) und Koons’ kitschiger, überlebensgroßer, rot und gelb glänzender „Lobster“ bei 3,1 Millionen Dollar (Taxe 3,5 bis 5,5 Millionen USD). Einzig zwei Aktbilder entwickelten einige Zugkraft und landeten bei neuen Höchstpreisen: Eric Fischls relaxte Gruppe „The Old Man’s Boat and the Old Man’s Dog“ von 1982 bei 3,4 Millionen Dollar (Taxe 2 bis 3 Millionen USD) und Helmut Newtons fast steinerne „Big Nude III“ als unikater lebensgroßer Silbergelatineabzug aus den 1990er Jahren, ein Geschenk des Fotografen an den Galeristen Rudolf Kicken, bei 1,9 Millionen Dollar (Taxe 800.000 bis 1.200.000 USD).

Beherzter zeigten sich die Bieter bei der jüngeren Generation und verhalfen acht weiteren Künstlerinnen und Künstlern zu unerwarteten Rekordmarken, etwa gleich zu Beginn Anna Weyant. Erst vor zwei Jahren verewigte die Kanadierin mit „Summertime“ in altmeisterlich exaktem Stil und in zurückhaltendem Kolorit eine junge Frau, die ihren Oberkörper nachdenklich auf den Tisch gelegt und ihr langes, glänzendes, blondes Haar ähnlich einem Fächer ausgebreitet hat, was nun eine Versechsfachung der Taxe auf 1,2 Millionen Dollar zu Folge hatte. Fortuna lächelte zudem Shara Hughes und ihrer farbintensiven und psychedelischen Berglandschaft „Spins from Swiss“ von 2017 bei 2,4 Millionen Dollar (Taxe 500.000 bis 700.000 USD) oder Ewa Juszkiewicz und ihrem typischen „Portrait of a Lady (after Louis Leopold Boilly)“. Das 2019 an das französische Vorbild angelehnte Konterfei verweigert dem Betrachter das Gesicht der Dame, indem Juszkiewicz an seine Stelle einen weiß-roten Turban, ein paar Haarlocken und Pflanzen setzt. Die vermummte Frau in klassizistischer Landschaft wurde dennoch bei 1,25 Millionen Dollar hofiert (Taxe 200.000 bis 300.000 USD).

Bei den Männern holten sich der schwarze Wahl-Amerikaner Ouattara Watts mit seiner motivreichen Collagemalerei „Afro Beat“ aus dem Jahr 2011 bei 620.000 Dollar und Joel Mesler mit der lebensfrohen Wasserglasadaption samt titelgebendem Schriftzug „To Life“ von 2020 bei 720.000 Dollar ihre Meriten ab (Taxe je 100.000 bis 150.000 USD). Rekordträchtig waren zudem die 240.000 Dollar für Tom Sachs’ „Tiffany Value Meal“. Sein kritischer Mix aus Luxus und günstigem Fast Food – Sachs hatte 1998 das schwarze Logo „Tiffany & Co“ auf das puderblau eingefärbte Papp-Value Meal von McDonald’s gedruckt – hätte eigentlich nur 80.000 bis 120.000 Dollar kosten sollen. Ganz zeitgemäß gab sich Christie’s mit dem türkisch-amerikanischen Medienkünstler Refik Anadol. Er begeisterte mit seiner assemblageartigen wuchernden „Living Architecture: Casa Batlló in Metaverse“ als NFT bei 1,1 Millionen Dollar (Taxe 1 bis 2 Millionen USD).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Christie’s Rockefeller Center

20 Rockefeller Plaza

US-NY 10020 New York

Telefon:+1 (212) 6362000

Telefax:+1 (212) 6362399

E-Mail: info@christies.com

Startseite: www.christies.com



07.09.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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Vilhelm Hammershøi,  Stue (Interieur mit ovalem Spiegel), 1900

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