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Die Ausstellung „Atmen“ in der Hamburger Kunsthalle spürt den breitgefächerten Bildformen des Atmens in der bildenden Kunst nach. Dabei treten Werke der zeitgenössischen Kunst in einen spannungsreichen Dialog mit den Alten Meistern

Weit mehr als ein biologischer Vorgang



Kasia Fudakowski, Word Count 04 – The Martyrdom of Professor Sanchez, 2018

Kasia Fudakowski, Word Count 04 – The Martyrdom of Professor Sanchez, 2018

Jeder hat diese Bilder im Kopf: Covid-19-Patienten auf der Intensivstation an Beatmungsmaschinen ringen nach Luft. Dabei ist der biologische Prozess des Atmens für gesunde Menschen etwas ganz Selbstverständliches. 23.000 Mal pro Tag atmen wir im Durchschnitt ein und aus. Unser Atem an sich ist unsichtbar. Aber dennoch haben sich immer wieder bildende Künstler mit dem Phänomen des Atmens beschäftigt. Wie ist der Atem im Medium der Kunst darstellbar? Welche Bilder und Metaphern kann man dafür finden?


Die groß angelegte Gruppenausstellung „Atmen“ in der Hamburger Kunsthalle geht jetzt erstmals weltweit diesen Fragen derart umfangreich nach. Es handelt sich dabei um eine Co-Produktion der beiden Sammlungsleiterinnen Brigitte Kölle für die Gegenwartskunst und Sandra Pisot für die Alten Meister. „Auch die Alten Meister haben sich als gegenwärtig betrachtet, bis zum letzten Atemzug“, betont Kunsthallendirektor Alexander Klar. Und Sandra Pisot ergänzt: „Wir wollten die Alten Meister in einen neuen Kontext stellen.“ So kommt es in der Schau immer wieder zu anregenden und erhellenden Dialogen mit der Gegenwartskunst.

Kölle und Pisot haben mehr als 100 Werke von 45 Künstler*innen in der sehenswerten und facettenreichen Ausstellung zusammengetragen, darunter finden sich viele Neuproduktionen. Der Atem fungiert nicht nur als Indikator des blühenden und unbeschwerten Lebens. In den Arbeiten werden auch Krankheiten thematisiert, daneben Kriege, Umweltverschmutzung und andere gesellschaftlich brisante Themen. Gleichzeitig kann das Atmen auch für den Intimbereich stehen und für einen Liebesbeweis, etwa in der bekannten Videoarbeit „Breathing in, Breathing out“ von Marina Abramovic und Ulay aus dem Jahr 1977, deren Münder in einer sehr innigen Kussszene geradezu miteinander verschmelzen.

Zum Auftakt der Schau durchschreiten die Besucher*innen den scheinbar leeren Lichthof der Galerie der Gegenwart. Alle zehn Minuten aber füllt er sich mit Seifenblasen. Was auf den ersten Blick harmlos und spielerisch wirkt, entpuppt sich als eine politisch aufgeladene Arbeit der mexikanischen Künstlerin Teresa Margolles. Das Wasser für die Seifenblasen enthält Partikel von Tatorten von Gewaltverbrechen an der amerikanisch-mexikanischen Grenze. Auch unter den Alten Meistern findet sich das klassische Vanitas-Motiv eines Seifenbläsers in der Darstellung des „Seifenblasenden Jungen“ eines unbekannten holländischen Meisters aus dem 18. Jahrhundert.

Im ersten Obergeschoss bildet dann die Neonarbeit mit den abwechselnd aufscheinenden Schriftzügen „Inhale – Hold – Exhale“ des dänischen Künstlers Jeppe Hein den Auftakt. Der Atemrhythmus drückt auch unsere innere Befindlichkeit aus. Die Arbeit lässt an gängige Yoga-Übungen denken und den Versuch, unseren eigenen Atem wahrzunehmen und bewusster zu steuern. Gleich daneben steht eine Terrakottaskulptur des italienischen Arte Povera-Künstlers Giuseppe Penone, die eindrucksvoll den Durchfluss des Atems durch den menschlichen Körper darstellt. Um die Ecke kann man dann einem Flöte spielenden Knaben von Hendrick ter Brugghen aus dem Jahr 1621 visuell lauschen, denen David Zink Yis Film „Pneuma“ von 2011 gegenübersteht, in dem ein Trompetenspieler das hohe C so lange hält, wie sein Atemvolumen es eben zulässt.

Von dem kolumbianischen Künstler Oscar Muñoz stammen minimalistisch wirkende, kreisrunde Spiegelplatten an der Wand. Haucht man sie an, so erscheinen Porträtfotos von Opfern politischer Gewalt aus Todesanzeigen kolumbianischer Zeitungen. Das Anhauchen ist auch Thema des Alten Meisters Godfried Schalcken. Im Pygmalion-Mythos haucht der Künstler seinem Werk die Seele ein. Auf Schalckens Gemälde von 1692/96 sieht man einen Jungen, der auf ein glühendes Holzscheit pustet, um ein Feuer neu zu entfachen. Das bewusste Ausatmen verbildlicht dann der koreanische Künstler Lee Ufan. Seinen breiten Pinselstrich führt er auf der leeren weißen Leinwand in einem fast spirituellen Prozess so lange, wie sein Lungenvolumen es erlaubt.

Auch das Thema Rauchen taucht mehrmals in der Ausstellung auf. Eine sehr eindrückliche Raucherdarstellung aus dem 17. Jahrhundert findet sich bei Hendrick van Someren, der eine Figur im Typus des heiligen Hieronymus als Genussraucher mit Tabak und Weinglas und damit als Allegorie auf die Vergänglichkeit wiedergibt. Im selben Raum zeigt der dänische Künstler Joachim Koester dann Fotos von Cannabispflanzen in Verbindung mit Bodenzeichnungen, Mineralien und anderen Pflanzen. Natalie Czech wiederum hat Zigarettenstummel seltener Marken fotografiert und so kombiniert, dass die auf dem Zigarettenpapier aufgedruckten Markennamen kleine Gedichte ergeben. In einer Seitenkoje mit Blick auf die Bahngleise hat Thomas Baldischwyler eine kleine Zusammenstellung aus der Sammlung der Hamburger Kunsthalle zusammen mit einem Aschenbecher der Deutschen Bahn und einer Textarbeit inszeniert. Die Installation thematisiert die Ambivalenz des Rauchens zwischen persönlichem Genuss und Nichtraucherschutz.

Die Ausstellung findet ihre Fortsetzung im Hubertus-Wald-Forum mit Platanensetzlingen, die Andreas Greiner aus den Samen der großen Platanen vor der Kunsthalle gezogen hat, musikbasierten Videoarbeiten von Anri Sala und einem Film des Kollektivs Forensic Architecture zum Thema toxische Wolken. Ein beklemmender Schlussakkord beendet dann den facettenreichen Rundgang. Vorbei an nüchternen Fotografien Lucinda Devlins, die die aseptische Unmenschlichkeit US-amerikanischer Gaskammern zeigen, und Francisco de Goyas Galgenbildern aus dem Zyklus „Los Desastres de la Guerra“ mündet die Ausstellung in eine Sackgasse mit der eindringlichen Schwarz-Weiß-Aufnahme einer Gaskammer im Konzentrationslager Stutthof des deutschen Fotografen Dirk Reinartz. Ein staatlich verordneter Tod durch den letzten Atemzug. Diese kuratorische Setzung ist jedoch versehen mit der Hoffnung, dass sich Geschichte niemals wiederholen möge.

Die Ausstellung „Atmen“ ist bis zum 15. Januar 2023 zu sehen. Die Hamburger Kunsthalle hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr, an Silvester von 10 bis 15 Uhr und an Neujahr von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Geschlossen bleibt an Heiligabend und 1. Weihnachtstag. Der Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt 8 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Zugang. Der Katalog aus dem Hatje Cantz Verlag kostet im Museum 32 Euro, im Buchhandel 44 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengießerwall 5

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



04.10.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


30.09.2022, Atmen

Bei:


Hamburger Kunsthalle

Kunstsparte:


Film und Video

Kunstsparte:


Fotografie

Kunstsparte:


Malerei

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Stilrichtung:


Alte Meister

Bericht:


Metamorphosen der Wirklichkeit

Bericht:


Ans Licht geholt







Natalie Czech, Fact: True Fact, 2020

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Hendrick Andriessen, Vanitas-Stillleben mit Totenschädel, Blumen, Pfeifen und einer Seifenblase, 1. Hälfte 17. Jahrhundert

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Hendrick ter Brugghen, Querpfeife spielender Knabe, 1621

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David Zink Yi, Pneuma, 2011

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Markus Schinwald, Phoebe, 2017

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